Ulf Torreck

Ulf Torreck meint schon länger: "Schwarz ist die bunteste aller Farben", zunächst als Träumer, dann Punk und zuletzt als Autor folgte er konsequent diesem Motto.

Geboren 1972 und aufgewachsen in der sächsischen Provinz bei Leipzig hat er schon früh vom Künstlerdasein geträumt und nach Zimmermannslehre, Abitur und Jurastudium beschlossen, das Schreiben zum Beruf zu machen. Erster Erfolg: Er verkaufte zehn seiner Jugendgedichte an eine Hamburger Punkband. Preis: 30 Flaschen Astra. Die dann auch gleich während der spontanen Feier des Deals gemeinsam vernichtet wurden. Nach diesem motivierenden Achtungszeichen war sein Ehrgeiz erst recht geweckt, weswegen er das ungeliebte Jurastudium zugunsten eines Drehbuchkurses aufgab und sich zunächst als Filmjournalist, später auch als Drehbuchautor und Romancier betätigte. Diesem Schritt folgten ausgedehnte Aufenthalte in Irland, Frankreich, Großbritannien und Südostasien.

Inzwischen hat Torreck unter dem Pseudonym David Gray vier Romane und zweiundzwanzig Shortstorys veröffentlicht. Sein Polizeithriller KanakenBlues, der 2015 im Pendragon-Verlag erschien, wurde von der Kritik als gelungenes Beispiel für "deutschen Hard boiled Noir" bezeichnet. Der ebenfalls unter dem Pseudonym David Gray im Frühjahr 2011 veröffentlichte historische Horrorroman Wolfswechsel wurde zwar nie von Literaturkritikpapst Denis Scheck entdeckt, hat sich seit seinem Erscheinen im Frühjahr 2011 allerdings dennoch fast 45.000 Mal verkauft. Einige von Torrecks Shortstorys erschienen regelmäßig in Anthologien, wie Giftmorde 2 und Giftmorde 3 beim kleinen Leipziger fhl-Verlag oder Deutschlands führendem BDSM-Magazin Schlagzeilen.

Im Frühjahr 2017 wird Heyne Hardcore Torrecks historischen Thriller Fest der Finsternis herausbringen. Inhalt: ein verzweifelter Polizist verfällt auf die ziemlich naheliegende Idee, dass es schon ein Ungeheuer braucht, um eines Monsters habhaft zu werden, weshalb er ausgerechnet den in der Irrenanstalt von Charenton gefangenen Marquis de Sade nach Paris holt um ihm bei den Ermittlungen zu einer Serie von mysteriösen Morden beizustehen. Monsieur le Marquis mag alt und fett geworden sein, doch er ist deswegen um keinen Deut leiser. Und er hat durchaus noch die ein oder andere alte Rechnung in Paris zu begleichen.

Konditionen auf Verhandlungsbasis

Ulf Torreck/David Gray ist gerne bereit, Ihnen ein individuelles Angebot für einen Auftritt bei einem Ihrer Events oder in einer von Ihnen verwalteten Location zu unterbreiten.



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Herzragout aus „Fest der Finsternis“

Paris im Frühjahr 1797. Seit Wochen hielt ein Mörder die Stadt in Schach, dessen Untaten so grausam und widersinnig waren, dass ganz Paris bald in einen Zustand permanenter Angst verfiel. Am Ende ihrer konventionellen Weisheiten angelangt, hatten sich die Polizeiinspektoren Jean-Marie Beaume, Louis Marais und der Polizeipräfekt Henri zu dem unerhörten Schritt entschlossen sich an den berüchtigten Schriftsteller, Libertin und Lebemann Marquis de Sade um Hilfe zu wenden. Der lebte in recht behaglichen Verhältnissen in einem Haus in Saint-Ouen Stadtrand zusammen mit einer ehemaligen Schauspielerin namens Constance Quesnet und deren minderjährigen Sohn. Sade hatte seine Güter in der Provence verkaufen müssen und nur einen geringen Teil des Erlöses für sich selbst sichern können, da der Löwenanteil an seine Ehefrau und deren Familie ging, die für Sades Kinder zu sorgen hatte.
Die Jahrzehnte, die er vor der Revolution in verschiedenen Gefängnissen verbrachte, hatten den rebellischen und verdrehten Geist des Marquis zwar längst nicht brechen können, doch war er fett geworden, kurzatmig und wurde regelmäßig von Gichtanfällen geplagt.
Zwar hatten die drei Polizeibeamten es bei ihrem ersten Treffen in de Sades Haus nicht offen auszusprechen gewagt, doch der Marquis hatte dennoch aus Inspektor Marais Mine lesen können, welcher Gedanke die drei Polizeiagenten dabei gleitet hatte sich ausgerechnet an ihn um Hilfe zu wenden: Es brauchte schon ein Ungeheuer, um ein Ungeheuer fassen zu können.
Marais, Henri und Beaume waren so verzweifelt, dass sie Sade selbst das Blaue vom Himmel versprochen hätten, solange der ihnen nur einen Ausweg aus ihrer Ratlosigkeit aufzuzeigen vermochte.  Ihr Angebot fiel dementsprechend durchaus verlockend für de Sade aus. Sie versicherten ihm nämlich, dass sie dafür sorgen konnten, dass sein neuestes Theaterstück an der Comédie-Française aufgeführt werden würde. Dieses Stück war gemessen an de Sades übrigen Schriften zwar betont konventionell, aber es auf die Bühne zu bringen hätte ihn endgültig als seriösen Autor etabliert. De Sade hatte den Versprechen der Polizisten geglaubt und sicherte ihnen zu, dass er ihnen helfen würde, so gut er es nur könne.
Dies waren die Fakten der Mordserie, soweit man sie kannte:  Man hatte im Abstand von wenigen Wochen an weit voneinander entfernten Orten in Paris vier Leichen gefunden drei männlich, eine weiblich. Allen Opfern war auf die exakt gleiche Weise die Kehle durchtrennt worden und soweit man bisher sagen konnte, bestand zwischen ihnen keinerlei persönliche Verbindung. Die Journaille schlachtete den Fall weidlich aus. Doch echte Angst ergriff Paris, nachdem man den Schreiberlingen steckte, dass der Mörder es nicht dabei beließ seinen Opfern nur die Kehle durchzuschneiden. Sondern ihnen danach auch einige Organe entfernte, die seither spurlos verschwunden waren.
Präfekt Henris’ Jagd nach dem Mörder zog sich wochenlang ergebnislos hin. Die Unruhe in der Stadt wuchs und erreichte schließlich fast hysterische Ausmaße.  Die Zeitungen verlangten nach irgendeiner Aktion, die bewies, dass die Behörden alles taten, was in ihrer Macht stand, um den Mörder zu fassen.  Etwas musste geschehen.  Jean-Jacques Henri fürchtete, dass man ihn jeden Tag entlassen und durch einen Nachfolger ersetzen könnte und hatte deshalb jede Akte zu dem Fall kopieren und heimlich in sein Haus bringen lassen. Er war nach wie vor fest davon überzeugt, dass die Lösung des Rätsels irgendwo in diesen Akten zu finden sein müsse.
So kamen denn eines Abends im Juni Marais, Beaume und de Sade in Jean Jacques Henris’ Haus zusammen, um gemeinsam die Akten zu studieren und über den Fall zu beraten.
Stunden verbrachten die vier Männer über den Akten, ohne dabei zu einem Ergebnis zu gelangen.  Nach all der Zeit ergebnislosen Aktenstudiums waren die Männer dankbar für das opulente Abendmahl, das Henri auffahren ließ.
Während des Essens behauptete Inspektor Beaume, dass der Mörder  irgendeine äußerliche Missbildung aufweisen müsse. Perversion und körperliche Missbildungen, fand er, gingen Hand in Hand. „Wir sollten die Dossiers speziell nach Invaliden durchsehen. Ich erinnere mich an einen Mann, der ohne seine Eier aus dem Krieg zurückkam, und ein paar Monate darauf seine Frau erschlug, weil er sie in flagranti mit einem Hausierer erwischte“, riet er.
„Ich würde Dir Recht geben, wenn er entweder nur Frauen oder nur Männer getötet hätte. Aber er hat es nun mal auf Frauen und Männer abgesehen“, entgegnete Marais nachdenklich.
„Marais hat Recht“ fiel der Präfekt ein. „Ich würde ja immer noch mitgehen, hätte er sich irgendwie am Gemächt seiner Opfer ausgetobt. Die Frauen bestrafte er, weil er von ihnen verachtet wird. Die Männer, da sie ihm bestimmte Möglichkeiten voraushaben. Das ergäbe ein stimmiges Bild. Doch er lässt ihr Gemächt ja völlig beiseite.“
Beaume ließ diesen Einwand nicht gelten. „Ihr werdet sehen, wenn wir ihn erst haben, wird sich trotzdem herausstellen, dass er ein Krüppel ist. Wenn es nicht seine Eier sind, dann ist es ja vielleicht sein Gesicht. Perverse sind nun mal immer hässlich.“
Henri sah still brütend vor sich hin. Marais stocherte lustlos in seinem Essen herum. Nur Beaume langte weiterhin herzhaft zu.  Sade, dem durchaus bewusst war, dass man ihn in diese Runde gerade deswegen gebeten hatte, weil man ihn für das Paradebeispiel eines Perversen hielt,  war der Diskussion zwischen den Polizeiagenten zunehmend erstaunt gefolgt. Ein Invalide, ein Dieb oder einfach ein Verrückter?, dachte er verwundert. Und dann glaubte Beaume auch noch, dass der Mörder irgendein deutlich sichtbares Mal tragen musste, das ihn von allen anderen guten Bürgern unterschied. Was war das nur für ein blühender Unsinn! Sade fand es sei höchste Zeit seinen Tischgenossen einen Einblick in die wahre Natur des Menschen zu vermitteln.  „Sie sind also überzeugt, der ganz gewöhnliche Bürger Marcel Dupont, oder die ganz gewöhnliche Bürgerin Marie-Claire Perreau wären niemals fähig kaltblütig einen Mord zu begehen?“, fragte er in die Runde.
Die Blicke der drei Beamten waren de Sade Antwort genug. Er schüttelte sacht den Kopf. „Aber, Messieurs, was ist denn der Inhalt der Romane, die die beiden verschlingen, der Dramen, denen sie zusehen, und der Bänkelgesänge, denen sie auf den Jahrmärkten lauschen? Ich will es Ihnen sagen: Verzweiflung, Rache, Hass, Blut und Verbrechen.“ Sade trank einen Schluck Wein.  „Sie glauben unsere beiden guten Bürger würden ihre Theaterbillets bezahlen, aber sich von der Bühne abwenden, in dem Moment, in dem man dort die Hände bis zu den Ellbogen in Bühnenblut taucht?  Sie erwarten, dass Madame und Monsieur die Kapitel in den Romanen überblättern, in denen Folter, Plünderung und Vergewaltigung beschrieben werden? Sie hoffen Monsieur und Madame benutzten die Zeitungsartikel über Mord und Hinrichtungen höchstens zum Einwickeln von Fisch?“ Das betroffene Schweigen über der Tafel feuerte den Marquis in seinem Aufklärungseifer nur noch weiter an. „Sehen wir der Wahrheit ins Gesicht: Der Mensch ist ein schönes böses Tier und zwei Herzen schlagen in seiner Brust. Das eine hungert ebenso kompromisslos nach Liebe, wie es das zweite beständig nach Aufregung, Kampf und Blut dürstet. Die Liebesschnulzen, die Schauerromane, die Theaterbühnen und das Schafott dienen doch nur einem Zweck: Unsere beiden Herzen mit dem zu füttern, was sie brauchen, um weiterhin gelassen ihre Ketten ertragen zu können. Denn Ketten, Messieurs, tragen sie. Man bezeichnet sie gemeinhin als Anstand, Moral und Sitte.“
Sade trank einen größeren Schluck Wein und warf einen langen Blick in die Runde, den er mit einem abschätzigen Lächeln garnierte. „Dieser Mörder, dem Sie nachjagen, wird kein Kainsmal an sich tragen. Er wird auch keine äußerlichen Verletzungen oder Verstümmelungen aufweisen. Ich prophezeie – ganz im Gegenteil – das Einzige verwunderliche an ihm wird seine penetrante Gewöhnlichkeit sein. Sie haben mich hierher beordert, um meine Ratschläge zu hören? Hier ist mein Ratschlag: Suchen Sie in Ihren Akten nach dem freundlichsten, unauffälligsten und liebenswertesten Mann, der sich dort überhaupt nur finden lässt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es sich bei ihm um den Mörder handeln.“
Sade wandte sich mit bestem Appetit wieder seiner Mahlzeit zu, während der Präfekt und die Inspektoren betroffen auf ihre Teller blickten.
Beaume schob ein Stück knusprigen Entenbraten in seinen Mund und sagte kauend: „Wonach wir suchen, Bürger Sade, ist ein Motiv für diese Morde. Können Sie uns auch damit dienen, nachdem Sie uns gerade eine derart brillante Beschreibung unseres Mannes geliefert haben? Oder sollen wir einfach annehmen, dass der Arme nicht genug Kleingeld für Theaterbillets und Schmierenjournale hatte und ihm deswegen nichts weiter übrig blieb, als sein doppeltes Herz eben auf eine etwas aggressivere Weise zu befriedigen?“
Henri drehte nachdenklich sein Weinglas in der Hand. Marais hatte Messer und Gabel weggelegt. Alles wartete auf Sades Antwort. Sade nahm jedoch umständlich eine Prise Schnupftabak, bevor er sich zu einer Erwiderung herabließ.  „Sehen wir doch mal, ob ich den Report des Doktors über die Obduktionen der Opfer richtig im Gedächtnis behalten habe. Die Organe, die der Mörder ihnen stahl waren Leber, Nieren, Herz und Lunge, nicht wahr?“
Henri bestätigte Sades Vermutung mit einem knappen Nicken.
„Sehr schön“, sagte Sade lächelnd und wies mit seiner Gabel auf das Schweinsragout, das Henris Haushälterin neben dem Entenbraten und der Bouillon so appetitlich auf dem Tisch angerichtet hatte. Es war ein Ragout von Innereien – Herz, Leber und Nieren.
Schweigen.
Längeres Schweigen. Jeder der drei übrigen Männer am Tisch versuchte sich einzureden, dass ihr erster Gedanke angesichts von Sades stummen Hinweis ein Irrtum gewesen sein musste. Schließlich warf Beaume sein Besteck auf den Tisch und begann zu applaudieren. „Das ist das Verrückteste, was ich je gehört habe. Um ein Haar hätten Sie mich doch tatsächlich hinters Licht geführt, Sade.“
Es dauerte einige Zeit, bis Beaume begriff, dass Monsieur le Marquis eben keinen Witz gemacht hatte. Schließlich beugte sich Präfekt Henri ein wenig zu Marais hinüber. „Louis, wären Sie wohl so zuvorkommend, Monsieur le Marquis eine Droschke zu rufen?“
„Selbstverständlich“, entgegnete Marais, erhob sich und verließ den Raum.
Für einen Augenblick trafen sich Henris und Sades Blicke. Henris Augen waren voller unverhohlener Abscheu. „Vielen Dank, Bürger Sade.“
Monsieur le Marquis lachte immer noch, während er fünf Minuten später draußen in die Droschke stieg.


Zwei Tage später verhaftete Marais einen bislang unbescholtenen Junggesellen namens Lasalle und de Sade kam zu Ohren, Marais hätte Lasalle einer näheren Überprüfung unterzogen, nachdem ihm klar wurde, dass der Mann, obwohl er gut betucht war, niemals einen Koch angestellt hatte.
Nach Lasalles Festnahme wurden Beaume und Marais befördert, de Sades Stück hingegen wurde von den Direktoren der Comédie-Française in Bausch und Bogen abgelehnt.  Angesichts dessen war es für ihn nur ein geringer Trost, dass Lassalles Porträt in den Zeitungen tatsächlich auffallend glatt und freundlich wirkte und er außerdem über keinerlei körperlichen Missbildungen verfügte. Außerdem kam Sade zu Ohren, Lasalle hätte in seinem Geständnis behauptet, dass Frauenherzen zarter schmeckten und leichter zuzubereiten gewesen waren, als die von Männern.

Mister Kurtz im Herzen der Finsternis

Ulf-Torreck-Leseprobe

Im Herbst 2015 begründete er zusammen mit Elia van Scirouvsky und Christan Kreis in der Leipziger Moritzbastei die Veranstaltungsreihe Blaue Tonne- Bis(s) zur letzten Seite, eine Literaturshow der etwas anderen Art.
Seit einigen Jahren tritt Torreck bei Lesebühnen auf. Wo er unter anderem seine surrealistischen Texte Untergänge mit Champagner und Mister Kurtz im Herzen der Finsternis vorträgt.


Ich bin viele. Über mich hielten Gott und die Welt lange schon Gericht.
Ich stand stets mit dem Rücken zur Wand. Und niemals einer, der nach mir suchte, aber immer einer, der mich fand.
Doch ich war schon ich, bevor ich zu vielen dunklen Wolken wurde, die in einem Himmel aus grauem Schlaf nach Westen flogen. Treibend über Grund sah ich, dass mit mir Angst über die Himmel schwamm, die in der Kälte über den Gipfeln so tröstlich leer waren, dass ich Regen weinte.
Rot und fettig fiel er über den Geist der Städte.
Keine Zeit gilt für mich.
Meine Wiegen sind die zerfransten Ränder der Welt.  Ich bin was bleibt, und trage den Keim von Untergang und Erlösung in mir. Ich sende Gespenster aus Vergangenheit in Zukunft aus. Ich bin jenes Mehr, das das Ganze größer macht, als die Summe seiner Teile. Ich lebe als Virus zwischen Lachen und Zorn. Schwerelos treibend in den Himmeln über den Städten des Westens lächeln mir die Schlangen der Angst, die den harten Schoß der Sehnsucht bewachen.
Wo ich gehe, da wird Erwartung mit Zuversicht vermählt. Eine Hochzeit der Gespenster mit den Geistern, die keine Priester braucht, aber dennoch zuweilen ohne die Illusion von Göttern nicht auskommt. Wer meine Standbilder schleift, der lädt Dämonen ein zwischen den Altären zu herrschen.
Meine Schöpfungsgeschichte brauchte keinen Gott. Ich wurde aus verstaubten Schriften unter der Asche von Kreuzen, Halbmonden und Bomben gezeugt. Meine Mutter war die Apokalypse, jene Herrin der steinernen Herzen.  Und dort, wo hinter den Latrinen auf braun befleckten Zeitungsseiten die Wahrheit wohnt, weihte ich meine Kinder der Welt. Unbarmherzig klug zogen sie aus die Slums zu erobern, um ihre Samen zwischen Wellblech und Pappkartons Früchte treiben zu lassen.
Sie sind der Tod, der aus Vergangenheit in Zukunft geht. Sie halten das letzte Gericht nach der längsten Nacht. Wer auf ihre Gnade hofft, der hat seine Rechnung ohne den Wirt gemacht.
Ihre Verwalter sind die Maden, die unscheinbar im Grund über den Lebenswillen der Toten lachen und ihre Herolde die grauschwarzen Ratten, deren Fell stolz im Gegenlicht der Betonpfützen glänzt.
Und wie die Angst in den Vorstädten sich mit Spülmitteln, Staubsaugern und dem blauen Leuchten der Monitore auslebt, so vergeht die Sehnsucht nach dem Meer beim Schwimmen. Mein Triumph wird siegessicherer mit jeder Pleite. Aus meinen verratenen Sternen errichtet ihr die Vitrinen im Museum eurer Angst.
Denn erst wenn meine Emissäre mit Schlachtermessern durch eure Schlafzimmer gehen, werdet ihr die Wahrheit erkennen.
Mein Brot wird in bittrem Mehl gebacken. Der Virus meiner Pest in Büchern und Bündeln bewahrt, lebt von der Geduld der Maden und dem Hunger zwischen den Würfen der Ratten.
Ich war der Mann an der Guillotine und die Frau, deren Würde in den kleinen Schreibstuben zum zweiten und dritten Mal abgetrieben wurde. Ich war Prometheus und Antigone. Im Nahen Osten und vor Stalingrad buchstabierte ich das große ABC als TNT.   Im Sumpf der Gladiatoren habe ich Monstern die Hand gereicht und im Herbst der Zivilisation die Öfen angeheizt. Meine  Karten sind vergeben. Mein Blatt ist lange noch nicht ausgereizt. And Happiness is a warm gun, keeping the grim reaper on the run.
Denn was ist schon ein Fahneneid ohne Todesstrafe?
Ihr glaubt jeder Zauberer sei immer nur so gut wie sein allerletzter Trick. Doch mein Talisman ist Sisyphus, dessen Stein und Berg ihm längst nur noch als Meditationshilfen dienen.  Denn selbst das Gras noch muss ich ausgerissen sehen, damit es grün bleibt.
Im Herbst eurer Metropolen werde ich die Ernten von Moscheen und Sweatshops einfahren, Steine zu Schlingen flechten und Grillen zu Panzern weben, um euch auf ein Neues zu lehren, dass man aus Asche keinen Brunnen baut. Der Moment in dem mein Pfeil eure Himmel ins Schwarze treffen wird.
The bird of Hermes is my game. I am eating its wings to make it tame.
Mein Name fragt ihr, wie?
Lautet: Utopie.
Und reimt sich auf Theorie, Therapie und Ironie.